Turboentzug

Heroinentzug und Opiatentzug unter Narkose

Kürzlich fand in Berlin der 2. Internationale Kongreß zu dem Thema „Entzug von Opiatabhängigen unter Narkose“ statt. Diese Methode ist in den letzten Jahren als Turboentzug, Blitzentzug oder als ROD oder UROD (Ultra Rapid opiate detoxification) durch die Medien gegangen. Dabei wurde immer wieder der Eindruck erweckt, dass der behandelte Patient nach einer 6 - 8 Stunden dauernden Nar-kose als „clean“ anzusehen und frei von Entzugsymptomen ist. Die Berliner Ergebnisse belegen, dass diese Methode differenzierter zu betrachten ist. Der Entzug unter Narkose ist als der Einstieg in den Entzug zu sehen, allerdings mit dem Vorteil, dass die akute Entzugssymptomatik durch die Narkose vermieden und/oder zeitlich sehr abgekürzt wird. Die anschließende psychosoziale Betreuung ist immer erforderlich und sicherlich der schwierigere und längere Teil des Therapiekonzeptes. Für diese Form des Entzugs spricht, dass die bisher behandelten Patienten nach 6 Monaten die gering-ste Rückfallquote, verglichen mit konventionellen Therapieansätzen, zeigten. Der Einstieg in den Entzug wird dem Patienten erleichtert, da die Angst vor den Nebenwirkungen des Entzugs genommen werden kann, dadurch ist es bei einem Teil der Patienten möglich den Entzug früher oder überhaupt zu realisieren.

Das Centrum für Suchtbehandlung in Hannover bietet die Möglichkeit des Opiatentzugs unter Narkose an. Die Induktion der Entgiftungsbehandlung erfolgt dabei auf einer Intensivstation und wird von einem Facharzt für Anästhesiologie durchgeführt. Der Patient wird während dieser Zeit beatmet und in Narkose gehalten, über eine Magensonde erfolgt die Gabe eines Opiatantagonisten und entsprechender Co-Medikation. Die Initialbehandlung dauert acht bis vierundzwanzig Stunden, daran schließt sich eine 36- bis 72stündige Nachbeobachtungsphase an, die erforderlich ist, um medikamentös eingreifen zu können, falls noch Entzugssymptome auftreten.

Nach der Entlassung ist es auf jeden Fall erforderlich, die medikamentöse Behandlung mit Opiatantagonisten für sechs bis neun Monate fortzuführen. Entscheidend für den Langzeiterfolg ist die anschließende, begleitende psychotherapeutische Unterstützung, die gewährleistet sein muss. Diese sollte vom Patienten bzw. seinem Betreuer organisiert werden. Besteht diese Möglichkeit nicht, so können wir einen Behandlungsplatz vermitteln.

In Frage kommen für diese Behandlung nur Opiatabhängige (Heroin, Morphium, Kodein und Methadon). Mehrfachabhängige sind für diese Behandlung ungeeignet, die einzige Ausnahme besteht hier für die gleichzeitige Einnahme von Benzodiazepinen. Die höchste Erfolgsquote wird zur Zeit bei Patienten erzielt, die bereits an einem Methadonprogramm teilnehmen.

Die Methode ist nicht für Patienten mit Kokainbeigebrauch geeignet.

Aktuelle Ergänzungen:

Ab sofort kann der Opiatantagonist Naltrexon auch als Depot unter die Haut implantiert werden. Die Implantatdosis beträgt 1g und hat die Wirkdauer von mindestens 6 Wochen.

Aktualisiert am: 22.12.2008

Centrum für Suchtbehandlung